Tel. +49 (6204) 3379

Lead Bild

Kondolenz löschen

Sind Sie sicher, dass Sie diese Kondolenz löschen möchten?

Dietmar Rallgestorben am 3. Februar 2026

Beitrag

In tiefer Trauer nehmen wir ehemaligen Schüler Abschied von Dietmar Rall, unserem Deutsch- und Sportlehrer und Gründer der Mountainbike-AG an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Weinheim.

Die Süddeutsche Zeitung titelte einmal zu der Frage, was einen idealen Lehrer ausmache: „250 Gramm Fantasie und eine Prise Strenge“. Gymnasiasten aus Hemsbach beschrieben in diesem Artikel einen idealen Lehrer nach Art eines Kochrezepts. Dietmar hatte diese Fantasie, aber auch die Prise Strenge, und noch viel mehr der aufgeführten Zutaten: Er hatte Verständnis und Empathie für seine Schüler, war Lehrer aus Leidenschaft, ein Lehrer mit Herz und Seele.

Seine Schüler behandelte er respektvoll, nahm ihre Bedürfnisse und Probleme ernst und sorgte für großes Vertrauen zwischen ihm als Lehrer und den Schülern. Dabei setzte Dietmar aber auch Grenzen und achtete auf deren Einhaltung, was ihn berechenbar machte – eine weitere wichtige Eigenschaft, die einen guten Lehrer auszeichnet.

Dietmar sah es als Berufung, den Schülern nicht nur die Fächer „Deutsch“ und „Sport“ zu unterrichten, sondern sie mit Leidenschaft zu vermitteln. Diese Leidenschaft zeigte sich gerade im Fach Deutsch, in dem er zur Hochform auflief. Als die Schüler die Ballade „Der Zauberlehrling“ von Goethe offenbar ohne die notwendigen Emotionen vortrugen, schnappte sich Dietmar den Papierkorb aus dem Klassenraum, stellte ihn mit der Öffnung nach unten auf den Lehrertisch, stieg darauf und rief die berühmten Verse voller Energie und Begeisterung mit hochrotem Kopf in das Klassenzimmer. Das war Begeisterung pur, die auch uns Schüler ansteckte.

Im Literatur-Grundkurs in der Oberstufe zeigte er uns schließlich, wie wir selbst literarische Texte schreiben konnten, und ermutigte uns, sie gleich vor den Kursteilnehmern vorzutragen. Dies stärkte uns, gab uns Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und erfüllte uns mit gewissem Stolz auf die eigene Leistung.

Dietmar glaubte an seine Schüler, er förderte und forderte sie. Er fand die richtigen Worte im richtigen Moment. Als ein Schüler keinen Zugang zur „alten Sprache“ der gelben Reclam-Hefte fand, gab er ihm den banal klingenden Ratschlag: „Du musst dich nur darauf einlassen.“ So einfach sich dieser Ratschlag anhörte, so gut funktionierte er und der Knoten platzte.

Seine Leidenschaft galt zudem der Mountainbike-AG, die er in der 7. Klasse um das Jahr 1994 gründete. Immer freitags um 14 Uhr trafen sich die Mitglieder der AG mit ihren Bikes an der Schulsporthalle und brachen zu Touren in den Odenwald auf. Das Mountainbiking war zu diesem Zeitpunkt ein noch junger Sport, der seit den 80er Jahren aus den USA nach Europa herüberschwappte und dessen Potenzial für die Jugend Dietmar früh erkannte. Zunächst mit ungefederten Mountainbikes unterwegs, machte die weitere technische Entwicklung der Räder auch vor der AG nicht halt. Dietmar stand uns als Ratgeber zur Seite, testete selbst neues Material und zeigte in den Schrauberstunden, wie man sein Rad warten kann und es in technisch einwandfreiem Zustand hält.

Bei Fahrtechnik-Trainings motivierte er seine Schüler, die eigenen Grenzen zu verschieben. An steilen Rampen, den sogenannten „Cola-Bergen“, wurde mit einer kalten Cola belohnt, wer den Anstieg schaffte. Hier kam es nicht nur auf Kraft und Fahrtechnik, sondern ebenso auf die eigene Einstellung und den eigenen Willen an. „Der Kopf muss oben ankommen, dann klappt es auch mit dem Rest“, war Dietmars Spruch. Er hatte großes Vertrauen in die Fähigkeiten der Schüler und ermutigte sie.

Das Thema Radfahren war fester Bestandteil von Dietmars Schullalltag an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule. Er organisierte viele Projekte rund ums Fahrradfahren. So initiierte Dietmar in einer Zeit, als Fahrradhelme noch aussahen wie halbierte Melonen und man mit ihnen auf den Straßen schief angeschaut wurde, ein Schulprojekt, um den Schülern den Sinn und Zweck der schützenden Radhelme zu vermitteln und ihren Nutzen trotz des fragwürdigen Designs näher zu bringen. Sein pragmatischer Ansatz mit eindringlichen Postern und zerbrochenen Fahrradhelmen, die bei realen Stürzen zerstört wurden, veranschaulichte den Schülern die Schutzwirkung der Helme.

Das Interesse am Werdegang seiner Schüler ging über die Schulzeit hinaus. Dietmar erkundigte sich immer wieder nach ehemaligen Schülern, wollte wissen, wie es ihnen geht und was sie so machen. Jedes Jahr vor Weihnachten sendete er den ehemaligen Mitgliedern der Mountainbike-AG Weihnachtsgrüße, traditionell mit einem Schaf-Cartoon. Seine Liebe zu Schafen rührte von eigenen Schafen her, die er hegte und pflegte und die er auch der MTB-AG bei einer Tour nach Viernheim einmal persönlich vorstellte.

Dem Mountainbiken blieb Dietmar weiterhin treu. Zwischenzeitlich im Ruhestand angekommen, nutzte er die Entwicklung der Technik und legte sich ein E-Mountainbike zu, das es ihm ermöglichte, mit etwas motorischer Unterstützung ausgedehnte Touren in den Odenwald zu unternehmen. Als die Stadt Weinheim sich an der Ausschilderung permanenter Mountainbikestrecken im vorderen Odenwald beteiligte, war Dietmar sofort Feuer und Flamme und bot sich als Streckenpate an. Ehrenamtlich pflegte Dietmar die Weinheimer Strecke „Wh1“, die ihre Abkürzung übrigens deshalb erhielt, weil Dietmar sie so nannte und das Kürzel auf den offiziellen Schildern zur besseren Orientierung mittels Klebebuchstaben ergänzte.

Dietmar hinterlässt durch sein großes Engagement für alles, was ihm am Herzen lag, für seine Schüler während der Schulzeit und über die Schulzeit hinaus, nachhaltige Spuren und eine große Lücke. Wir verlieren mit ihm einen Ratgeber, einen Bike-Partner, einen liebevollen Menschen und einen Freund. Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Christiane, den Angehörigen und allen, die um ihn trauern. Wir werden sein Andenken in Ehren halten.